Mein Puschelputzi

Unser Leben mit einem kleinen Wirbelwind
 
 

Willkommen Mika

Nun haben wir einen Blindenführhund Zuhause. So ganz nach Plan lief es auch hierbei nicht, denn Hündin Nelly ist es nicht geworden. Es gab einen kleinen Zwischenfall auf dem Marktplatz bei den Trainern. Es war sehr windig, sie sind gerade an einem dieser Stände für Kleider vorbeigegangen und ebendieses Ding ist durch den Wind umgefallen. Fast hätte es Nelly erwischt, wenn sich ihr Trainer nicht zwischen sie und das Ding gestellt hätte. Er kam mit blauen Flecken und einem schmerzenden Arm davon, während Hündin Nelly sich nun nicht mehr auf diesen Markplatz traut, geschweige denn in irgendein anderes Kleidungsgeschäft. Demnach ist sie als Führhund nicht mehr geeignet und wird demnächst als Familienhund abgegeben.

Bei ist nun Rüde Mika eingezogen. Okay, vom Züchter her heißt er Ocean, die Trainer hatten ihn Jumbo (Jambo ausgesprochen) getauft, aber da uns der Name nicht gefällt und wir doch einen Namen haben wollten, der bei uns nicht so verbreitet ist, nennen wir ihn Mika. Die Trainerin ist aktuell nicht so begeistert davon, weshalb wir ihn im Training weiterhin Jumbo nennen, aber am Ende ist das auch nur der Rufname des Tieres und den kann man so oft ändern, wie man will, schließlich ist und bleibt das Tier registriert als Ocean.

Die ersten Tage waren ziemlich anstrengend. Wir kamen nur gegen Mitternacht ins Bett und mussten morgens gegen 7 Uhr aufstehen, weil Mika rausmusste. Klar, 7 Stunden Schlaf sollten reichen, nur dass ich zu den Menschen gehöre, die einen etwas anderen Schlafrhythmus haben. Dazu zählt nun nicht gerade das frühe Aufstehen, solange es sich vermeiden lässt.
Mittlerweile haben wir Tag 7 und es haben sich nun alle etwas aneinander gewähnt. Mama und die Trainerin üben viel alleine, zumal die Trainerin noch einen Azubi dabei hat, einen schwarzen Labrador namens Paddington.

Mika macht im Führgeschirr echt einen super Job, nur als normaler Hund Zuhause haben wir ihn uns irgendwie fertiger vorgestellt. Nun ist es ein junger Hund, 1,5 Jahre alt (Nelly wäre ja schon 2,5 Jahre alt gewesen), der gerne mal testet, aber trotzdem hätten wir gedacht, dass die Grundausbildung hinsichtlich Grundgehorsam ohne Führgeschirr besser wäre. Im Führgeschirr kennt er alle Kommandos, nur ohne es stellt er sich doof. Okay, mittlerweile geht es.
Es gibt aber auch noch so ein paar Dinge, dein meinen Augen einfach nicht gehen, wenn ich einen Führhund zu einem blinden Menschen gebe. So muss eine Beißhemmung vorhanden sein, der Hund muss sich abrufen lassen und das als Labbi auch von Wasser, der Hund darf nicht alles vom Boden aufnehmen und natürlich sollte man mit ihm auch spielen dürfen, ohne gleich Angst haben zu müssen, dass er dann im Führgeschirr anders reagiert.
An diesen Dingen arbeiten wir zur Zeit weitestgehend. Nur das mit dem Spielen liegt erstmal auf Eis, denn die Trainerin meinte, dass man mit ihm nicht spielen sollte, sonst kann es sein, dass er im Geschirr wie bekloppt zieht, wenn er z.B. Kinder mit einem Ball spielen sieht. Ballspiele würden den Jagdtrieb wecken. Dabei ist der Jagdtrieb sowieso da, mal mehr, mal weniger ausgeprägt und ich bin dafür verantwortlich diesen Trieb in richtige Bahnen zu lenken. Bei Cody habe ich auch festgestellt, dass er wesentlich entspannter gegenüber Tauben, Radfahrern und co. ist, wenn ich seinen Jagd- und Hütetrieb in angemessener Weise befriedige, sprich auch mal mit ihm Bällchen oder Frisbee spiele. Darf er draußen im Freilauf etwas "jagen", dann kann er an der Leine besser akzeptieren, dass Autos und co. eben keine Beute oder Schafe sind, die in einem bestimmten Radius gehalten werden müssen.
Ich denke, dass auch Mika den Unterschied verstehen würde, schließlich wurde ihm jetzt schon beigebracht, dass das Führgeschirr Arbeit bedeutet. Mit anderen Hunden spielen ist nur im Freilauf erlaubt und im Geschirr werden diese weitestgehend ignoriert, mal kurz schauen und sich gleich wieder konzentrieren tut ja niemandem was. Ebenso sollte das auch mit Kindern, Bällen, Futter oder sonst was gehen.
Cody versteht zum Beispiel auch, dass wir im Freilauf Futterspiele machen und er trotzdem keine Dinge vom Boden aufnehmen darf. Entweder schnüffelt er dann ganz aufgeregt an einer Stelle und schaut dabei hoch, oder er kommt sogar zurück. Jedenfalls habe ich meistens die Zeit mir seinen gefundenen Schatz anzuschauen, bevor er die Dinge herunterschlingt. Auch diese Trennung müsste Mika verstehen, gehört das doch eigentlich zum kleinen Hunde-1x1.

Jetzt am Wochenende ist die Trainerin nicht da, eine Ausnahme, die sonst nur sehr selten vorkommt. Wir sollen gut auf Mika aufpassen, dürfen ihn aber freilaufen lassen, was eigentlich auch erst nach drei bis sechs Monaten möglich sein soll. Wobei ich auch dies nicht ganz verstehe, denn wenn der Hund im Freilauf abhauen möchte, dann tut er dies zu egal welchem Zeitpunkt. Es heißt zwar, dass die Bindung an den Besitzer dann schon enger ist, doch gibt es zahlreiche Hunde die von klein an beim neuen Besitzer waren und trotzdem regelmäßig stiften gehen. Von daher schauen wir einfach mal, wie das Wochenende so wird.

Wir sind auf jeden Fall fest davon überzeugt, dass Mama und Mika die Gespannprüfung nächste Woche bestehen werden. Ich bin fleißig am Filmen, sodass wir eine Erinnerung haben und zudem gibt es gar nicht mal so viele Filmsequenzen, in denen auch die andere Seite eines Blindenführhundes gezeigt wird, nämlich einfach ganz normaler Hund sein zu dürfen. Auch finde ich, dass es recht wenige Aufnahmen aus Geschäften gibt, weshalb ich vor zwei Tagen unseren kurzen Einkauf stellenweise aufnahm. Als nächstes folgen dann noch solche Dinge wie Bus, Bahn, Aufzug, Verweigerung von z.B. Rolltreppen oder Bahnhofkanten und natürlich Spiel und Spaß Zuhause und mit Cody draußen.

Alles in allem bin ich doch recht zufrieden, dass wir nun Mika bei uns haben, denn nun kann ich um einiges entspannter sein, wenn Mama unterwegs ist. Bis jetzt gab es noch nirgends Probleme und sie fängt nun auch an ihren ersten eigenen Hund richtig lieb zu haben, auch wenn sie sich noch immer fragt, ob sie sich nicht übernommen hat. Aber dafür bin ich dann da, um sie weiterhin zu unterstützen. Und Mika muss zum Schluss noch unsere Regeln und Lebensweisen akzeptieren, so wird im Haus nicht gespielt, er darf sich bewegen, aber nicht im Weg liegen, hat bestimmte Grenzen zu akzeptieren, die Cody wiederum erlaubt sind, usw..
Wer jetzt meint, dass vor allem das mit den Grenzen ungerecht wäre, der stelle sich nur mal vor, wie es ist einen Labrador auf einem Zweisitzersofa zu haben. Da bleibt kein Platz mehr für uns Menschen, während sich Cody ganz klein macht und sich an uns herankuschelt, sodass wir trotzdem alle genügend Platz haben. Auch möchte ich den Labbi nicht auf Codys Decke haben, denn er hat seinen Platz. Er muss auch nicht an Codys Trinknäpfe gehen, denn er hat seinen eigenen. Und solange nicht klar ist, ob er tatsächlich etwas kaputt macht, bleibt mein Zimmer sowas von tabu für ihn, auch damit Cody seinen festen Rückzugsort hat. Leider muss die Tür aktuell noch zu bleiben, da Mika sonst häufig mal einen Fuß hineinsetzt. Immerhin bleibt Mika nun vor dem Bad und der Küche liegen, außer natürlich es gibt Futter oder er wird gebadet, und so hoffe ich, dass er auch mein Zimmer bald als Grenze akzeptiert und davor wartet, während sich Cody darin zurückziehen darf.

19.5.17 14:51

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


"Rex-Mama" / Website (23.5.17 14:40)
Nun musste ich gerade erst mal grinsen, als ich sah, dass Mika an seinem vierten Tag schon zum zweiten Mal gebadet wurde, während unser Rex auch nach über drei Jahren noch nie eine Wanne von innen gesehen hat.
Tolle Filme und ein wunderschöner Hund!
Ich bin sicher, die kleinen Anfangsschwierigkeiten werden sich geben, wenn er sich erst einmal eingewöhnt hat und mit euch und euren Abläufen vertraut ist.
LG von der "Rex-Mama"


mein-puschelputzi (23.5.17 21:03)
Jaa, da kommt so ein kleiner Sauber-Tick durch. ^^
Ich glaube aber, dass man den Hundegeruch in einem Haus mit Garten weniger merkt, als wenn man mit nunmehr zwei Hunden in einer Wohnung lebt. Zumal sich bei Rex das Baden wohl kaum lohnen würde, tobt er doch so gerne durch deinen verwüsteten Garten. ;P
Gegen etwas Eigengeruch habe ich nichts, Cody riecht auch nach Fell und halt nach Cody, aber er hundelt eben nicht, was Mika mittlerweile auch nicht mehr tut. Nur wenn ich morgens aufstehe, sollte ich nicht gleich mit dem Kopf über der Kloschüssel hängen, weil mich der Mief eines Hundes begrüßt. Es war wirklich nah dran, so ähnlich wie bei den Hovawarten damals, da rebellierte mein Magen ja auch fast überdeutlich. Zumal solch penetranter Hundegeruch wirklich für keinen schön ist, vor allem nicht für Besucher.


"Rex-Mama" (23.5.17 22:22)
Ja, ich weiß sehr gut, was du meinst, erinnere mich, dass im Haus meiner Oma alles nach Hund roch, und das mag ich eindeutig auch nicht.
Komischerweise hatte ich dieses Problem weder mit Püppi noch jetzt mit Rex. Er "duftet" höchstens mal, wenn er sehr nass wurde, aber das gibt sich sehr schnell wieder und ansonsten riecht man hier echt nix von Hund - keine Ahnung, woran das liegt.

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