Mein Puschelputzi

Unser Leben mit einem kleinen Wirbelwind
 
 

Codys neuer Freund

Während Mama die Tage wieder nur knapp einer OP entgangen ist, sie hatte zwischenzeitlich einen Druck von 32, dann wieder von 39/40, übte ich mich mit Cody erneut im Schwimmen. Leider ist bei uns die Hundewiese nicht offiziell ausgeschildert, sodass man als verantwortungsbewusster Hundebesitzer andere Leute schlecht bei ihrem Sonnenbad stören kann. Die Badewiese, die ebenfalls nicht als solche gekennzeichnet ist, mündet in zwei kleinen Buchten, die in den See führen.
Da nun auf der einen Seite die Menschen auf der Hundewiese lagen und sich sonnten, ging ich mit Cody kurzerhand zur anderen Seite. Wir waren über Mittag da und neben den Sonnenanbetern war niemand sonst dort, sodass ich mit Cody ausgiebig spielen konnte. Ich selbst ging richtig mit ins Wasser und konnte ihn wenigstens zu ein paar Apportierspielen überreden. Er schwamm immer noch nicht, doch ging er wenigstens schon ein zwei Schritte weiter als sonst, wenn der Ball mal ein Stückchen weiter flog. Wir machen also Fortschritte.
Nach knapp zwei Stunden kamen die ersten Menschen an diesen Teil des Sees. Ein Mann machte sich gar nichts daraus, dass wir nun dort zugange waren, er ging einfach an uns vorbei und schwamm hinaus. Eine dickliche Frau kam dann aber direkt auf uns zu und fragte in einem schnippischen Tonfall, ob die Hundewiese nicht da drüben sei. Ich bejahte, erklärte ihr aber auch, dass die Menschen, die dort lagen, zuerst da waren und ich sie nicht verscheuchen wollte. Ziemlich pikiert stakste sie an uns vorbei und suchte ihr Heil im tiefen Wasser, während wir uns weiterhin im kniehohen Wasser aufhielten. Kurz darauf gingen wir allerdings, da der Betrieb nun doch ziemlich schnell zunahm.

Am Wochenende wollten wir erneut zum See. Sein neues Wasserspielzeug war mittlerweile angekommen und wir wollten es natürlich ausprobieren. So konnte ich das Bällchen an der Schnur wieder entknoten. Am See angekommen, es war später Nachmittag so gegen 17 Uhr, war dieser so arg belegt, als wäre es mittags mit bestem Sonnenschein. Die Sonne schien durchaus noch, aber nicht mehr ganz so stark, von daher hofften wir, dass der meiste Betrieb schon weg war, doch wurden wir eines Besseren belehrt. Wir drehten um und kehrten unverrichteter Dinge nach Hause zurück. Das nächste Mal müssen wir wohl entweder ganz früh am Morgen oder noch später am Abend gehen.

Mitte der Wochen, als ich mit Cody abends eine Runde um den Block drehte, trafen wir auf einen Hund, der einfach so über die kleine Straße zwischen den Häusern tippelte und uns nun aufhielt. Die Hunde verstanden sich gut, was schön war, aber so konnten wir nicht weiter gehen, da der Hund uns gefolgt ist. Ein Pfeifen von der anderen Seite zeigte, dass sein Besitzer ganz in der Nähe war, also gingen wir hinüber zum anderen Block, um den Hund zurück zu bringen. Doch auch dort kamen wir nicht weiter, da Herrchen zwar den Hund zurückpfiff, dieser aber nur kurz bei ihm verweilte und uns dann wieder nachlief. Ich stand nun also da wie ein Schaf und wartete darauf, dass der Besitzer seinen Hund vielleicht an die Leine nahm oder anderweitig bei sich behielt. Cody wollte unterdessen mit dem Hund spielen. Der andere Hund ging darauf ein, sodass ich gerade noch die Leine lösen und einen Blick hinauf und hinunter werfen konnte, um sicherzustellen, dass auch nichts und niemand kam. Herrchen war immer noch viel zu beschäftigt mit seinem Fahrrad, um einzugreifen, sodass wir uns am Ende nach einem kurzen Gespräch darauf einigten, die Hunde am nächsten Tag spielen zu lassen und ich mit Cody dann auch endlich weiterkam, ohne dass uns dieser Hund nun folgte.

Wir trafen uns am nächsten Tag tatsächlich und gingen in den Gutspark, denn dort konnten sie größtenteils tun und lassen, was sie wollten, zumindest was das Toben anging. Der Hund heißt Miček - ich glaube, dass es so geschrieben wird, gesprochen Michek - und ist ein Border Collie, 3 Jahre alt. Er stammt laut Herrchen von innre Organisation, die ihn aus einer Tötungsstation gerettet hat. Er war wohl in einem Labor gezüchtet worden für Versuche an ihm und als er zu groß geworden war, habe man ihn ausgesetzt. Ein echter Straßenhund war er nicht, er habe anfangs Angst vor heruntergefallenen Blättern gehabt und auch sonst war er extrem abgemagert. Dafür ist der Hund allerdings eine Seele von Hund. Total ruhig und doch mit den Besonderheiten eines Hütehundes. Schnell war klar, dass die beiden Hunde sich richtig gut verstanden. Sie tobten wie wild und Miček ließ sich von Cody wirklich sehr viel gefallen.

Tatsächlich schien erstmal alles zu passen, auch das Herrchen war sehr freundlich, doch je länger wir uns über Hunde unterhielten, umso mehr rumorte es in den hintersten Ecken meines Kopfes. Ich habe ja schon einige Leute in den zwei Jahren mit Cody kennengelernt, die merkwürdige Ansichten haben, aber dieser Mensch toppte doch alles. Seine Ausführungen schienen mir sehr widersprüchlich mit seinem Verhalten zu sein und seine Ratschläge an mich sind sicher gut gemeint, doch begutachte ich sie lieber mit Vorsicht.

So empfahl er mir zum Beispiel, dass ich doch beim Netto hinter Fressnapf an der Fleischtheke abends nach Resten fragen solle, da man dort ein Kilo für einen Euro bekäme. Er achte sehr auf artgerechte Ernährung, an sich sehr lobenswert, doch dann zog er aus seiner Tasche Leckerlis hervor, die meines Wissens sehr viel Zucker enthalten. Für artgerechte Ernährung gibt es sicher auch artgerechte Leckerlis, aber der Tipp an sich ist ja nicht schlecht, sofern ich Barfen wollen würde. Allerdings fehlt uns so eine schöne große Tiefkühltruhe und ich werde erst noch einmal das Internet befragen müssen, ob man einfach so die Reste vom Fleischer nehmen darf oder ob man nicht lieber gleich bei der Quelle nachfragen sollte.
Weiterhin erklärte er mir, dass ich mit Cody ordentlich schimpfen müsse, wenn er etwas falsch gemacht hat. Nun, das hatten wir am Anfang schon mal, wenn er der Meinung war mich ignorieren zu müssen, doch da das genauso wenig funktioniert hatte, wie irgendeine Rassendose oder Spritzflasche, ist diese Thema abgehakt. Im Nachhinein betrachtet musste Cody in dem ersten halben Jahr bei uns schon ganz schön als Versuchskaninchen herhalten, ehe wir eine Kommunikationsbasis gefunden hatten. Miček würde wohl immer mit einem Alphawurf zu Boden gedrückt werden, wenn er etwas falsch gemacht hat. Schon merkwürdig, wenn ich mir anschaue, dass Herrchen seinen Hund fast durchgängig frei laufen lässt und so der Ärger quasi vorprogrammiert ist. Miček läuft soweit vor, wie er möchte, kommt zwar, aber größtenteils auch nur, wenn er Lust zu hat.

Einen Tag später trafen wir uns erneut, diesmal kam Mama mit und wir gingen zum See, weil Herrchen irgendwelche Würmer zum Angeln in der Erde suchen wollte. Das Problem war nun, dass Herrchen überhaupt keine Rücksicht auf die anderen Menschen nahm. Es kam uns ein Hund an der Leine entgegen, Miček lief frei und ging hin schnüffeln. Der fremde Hund bellte erstmal, doch dann wollte er spielen. Gut gelaufen, dachte ich, doch behielt ich Cody schön an der Leine. Auf einem Weg, der menschenleer war, durfte Cody dann auch freilaufen.
Alles lief auch gut, doch lief es mit dem Hören bei ihm diesmal deutlich schlechter. Ich wollte, dass er zu mir herankam, weil von vorne ein Pärchen kam und die Frau nicht so ganz überzeugt aussah, wobei sie nun schlichtweg an den Hunden vorbeigehen hätte können, doch sie entschied sich, als wir fast an ihr vorbei waren, umzudrehen und in die andere Richtung schnellen Schrittes zu gehen. Cody hielt sich an Miček, der natürlich einfach weiter frei herumlief, sodass das ein Faktor war, warum er wahrscheinlich nicht hörte und dazu kam, dass Herrchen ständig mit ihm zugange war. Er bellte und Herrchen schnappte sich Codys Rute und hielt sie fest, wodurch Cody sich umdrehte und erneut anfing zu bellen.
Wir kamen an einem kleinen Café vorbei, vor dem zwei Angler saßen. Herrchen unterhielt sich mit ihnen, Miček lief voraus und Cody wollte hinterher, doch überzeugte ich ihn nun mit Leckerlis davon in meiner Nähe zu bleiben. Wir warteten an einer Ecke auf Herrchen, der sich extrem viel Zeit ließ. Hinter uns kam eine Frau mit uns an, die an uns vorbeigehen wollte. Cody musste vor mir absitzen und bleiben. Es ging solange gut, wie die Frau samt Hund in Bewegung war. Als sie direkt neben uns kurz stoppte, wahrscheinlich um ihren Hund das Schnüffeln an Cody zu erlauben, reagierte dieser ziemlich zickig und knurrte den anderen Hund an. Soviel zu meinem mühsamen Training. Dieses Theater hatte ich ihm schon einmal abtrainiert, kaum gibt es einen Hund der freiläuft und eine Frau, die mit ihrem Hund stehen bleibt, obwohl sie es nicht sollte, ist alles zunichte gemacht.

Mittlerweile waren wir am See, Cody lief im Fuß und Miček wie immer ewig weit vorne weg. Als wir den Weg verließen und zum Ufer gingen wollten, gab es Ärger mit Miček. Er war mittlerweile an einem Pärchen angelangt, dass einen Hund dabei hatte. Ich ließ Cody schnell absitzen und warten, was diesmal gut klappte, da die Szene weit genug weg war. Der fremde Hund reagierte auf Miček extrem aggressiv, ob aus Angst oder wirklicher Aggression kann ich nicht sagen, doch tippe ich wohl auf Angst, da das Frauchen schon beim Anblick von dem auf sie zukommenden Miček stehen blieb und hoffte, dass der Hund abdrehte. Herrchen hielt es jedoch nicht für nötig seinen Hund zu rufen, schließlich ist Miček doch ganz lieb und so ging das Knurren los, der fremde Hund kam auf den Arm von Frauchen und diese ereiferte sich erbost und fast hysterisch darüber, dass Herrchen, der mittlerweile in die Richtung der beiden gegangen war, seinen Hund nicht zurückgerufen hatte. Sie warf mit der Leinenpflicht um sich und war zurecht sehr sauer.
Und Miček? Kam natürlich nicht auf das Pfeifen von Herrchen, sondern drehte erstmal eine Ehrenrunde über den Rasen. Konnte er nun was dafür? Nein, nicht wirklich, er hatte ja nur seine Neugier befriedigen wollen, aber das hätte man durchaus verhindern können, wenn Herrchen rechtzeitig eingegriffen hätte.

Herrchen bekam am See gar nicht mit, wer oder was hinter uns entlangging. Ich schaute mich andauernd um, um Cody rufen zu können und als dann ein Chihuahua auftauchte, war ich umso angespannter, doch die Hunde waren so in ihr Spiel vertieft, dass sie den Hund gar nicht bemerkten.
Irgendwann bekam Miček unbemerkt von uns ein Fleischstück zugeworfen. Herrchen wollte schauen, ob Miček Futterneid zeigen oder ob er teilen würde. Ist ja toll, wenn er das testen möchte, aber kann man da vorher nicht fragen? Cody schnappte sich nach einer Weile das Stück Fleisch samt Knochen und fraß es. Er ließ sich in der Zeit nicht abrufen, aus Angst, dass ich ihm seinen Schatz streitig machen würde, so wie Miček es versucht hatte. Die Quittung für diesen ungewollten Leckerbissen bekam ich heute morgen: ein dicker, gelber, weicher Haufen. Laut Internet kommt das wohl vor, wenn Dosenfutterhunde das erste Mal Frischfleisch bekommen, aber dennoch wäre eine vorherige Aufklärung nicht schlecht gewesen.
Als Cody fertig war mit seinem Stück Fleisch, wollte ich, dass er zu mir kommt, doch er suchte im Gras lieber nach Resten des Fleisches. Mičeks Herrchen meinte dann, wenn er nicht höre, solle ich doch mit ihm schimpfen. Er würde Miček niemals schlagen, hatte er gemeint, doch führte er anschließend an, dass er von seinem Großvater gelernt hatte, dass man einem Hund, wenn überhaupt, nur mal kurz einen Klaps mit einer Zeitung geben darf. Mama und ich haben in dem Moment das Gleiche gedacht: Der spinnt wohl! Nie im Leben würde ich meinem Hund absichtlich wehtun, mal verbal schimpfen, wenn er so richtig Mist gebaut hat, hatte ich wohl auch mal gemacht, aber niemals würde ich ihm eins mit der Zeitung überbraten. Das geht ja mal gar nicht!

Wieder Zuhause überlegten wir dann noch eine ganze Weile, was wir nun von ihm und Miček halten sollen. So ein Spaziergang lohnt sich wohl, denn die Hund passen wirklich gut zusammen, fast schon wie Brüder, aber der Mann ist echt eine Nummer für sich. Ich denke ja auch, dass es sowas wie mit Hera werden könnte, nämlich dass Cody sich dann alle schlechten Dinge von Miček abschauen wird und ich am Ende doppelt und dreifache Arbeit habe ihn wieder auf Spur zu bringen. Nun sind die beiden eh nur sporadisch in der Stadt, mal alle zwei, mal alle vier Wochen, also spricht ja zumindest für das Glück des Hundes nichts dagegen ihm dieses Toben zu ermöglichen, doch steht für mich nach diesem Seespaziergang fest, dass wir nicht mehr zum See gehen, sondern nur in den Gutspark, wo abends wenig passieren kann, weil weder andere Leute, noch Hunde um diese Zeit gehen. So ganz sicher bin ich mir trotzdem nicht, ob das so eine gute Idee ist, obwohl ich mir natürlich schon für Cody einen richtigen Kumpel zum Spielen wünsche, doch wenn dadurch mein Training wieder um Tage zurückgeworfen wird, dann ist es das vielleicht doch nicht so wert.

11.6.16 15:27

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen